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30 Jahre Gleichstellungsarbeit beim Landkreis Oldenburg

„Anfangs hieß es erstmal ackern“

Bericht der NWZ vom 26.05.2017, Stefan Idel

Hildegard Kornemann brach verkrustete

Strukturen auf. Davon profitiert noch die aktuelle Amtsinhaberin

  v.l. Dorothea Debbeler, Hildegard Kornemann

 

Wildeshausen/Landkreis

Mehr als 50 Prozent Frauen sind in der Kreisverwaltung beschäftigt. Doch als Hildegard Kornemann ihr Amt antreten wollte, stellten Mitarbeiter merkwürdige Fragen: „Wohin mit ihr?“ oder „Was soll sie denn eigentlich machen?“ – „Glücklicherweise hat sich vieles getan“, blicken Kornemann und die amtierende Gleichstellungs-beauftragte des Landkreises Oldenburg, Dorothea Debbeler auf drei Jahrzehnte zurück.

Beschluss vor 30 Jahren

Vor genau 30 Jahren – am 26. Mai 1987 – beschloss der Kreistag, eine Frauenbeauftragte zu bestellen. Sie war eine der ersten in Niedersachsen. Mehr als 80 Bewerbungen gingen ein. Kornemann, bis dato als Lehrerin in der Erwachsenenbildung tätig, erhielt die Stelle und trat Anfang 1988 ihr Amt an. „Anfangs hieß es für mich erstmal ackern“, erzählt die 68-jährige Mutter von zwei erwachsenen Kindern. In der Verwaltung schaffte sie sich die Grundlagen für die weitere Arbeit; außerhalb leistete sie bei Frauengruppen, Parteien, Institutionen und Ausschüssen Überzeugungsarbeit. „Bei mir musste alles aufgebrochen werden“, so Kornemann. Heute habe sich die Gleichstellungsarbeit geändert. Zwar hatte die interne Beratung Priorität, doch Kornemann bot viele Außensprechstunden für Frauen aus dem Landkreis an: Bei Problemen am Arbeitsplatz, Trennungen vom Ehemann, sexueller Gewalt oder Mobbing war ihr Rat gefragt. Auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung machte Kornemann Tempo. Auf ihre Initiative hin wurden viele Maßnahmen umgesetzt. 1989 wurder der „Notruf für Frauen und Mädchen“ eingerichtet, der zunächst mit Ehrenamtlichen des DRK in Hude besetzt war. 1991 folgte die Einrichtung einer „Frauenschutzwohnung“ im Kreisaltenheim. Aufgrund des großen Bedarfs wurde schon zwei Jahre später ein Frauenhaus bezogen.

Sie nahm sich aber auch des Bereichs „Frauen und Wirtschaft“ an; initiierte die gleichnamige Koordinierungsstelle, den überbetrieblichen Verbund und gab den Anstoß für die Existenzgründungs-Agentur für Frauen (EFA). Der damalige Oberkreisdirektor Wolfgang Haubold habe kaum glaucen können, dass die Finanzierung nahezu ausschließlich aus EU-Mitteln erfolge. Gegen Widerstände aus der Verwaltung führte Kornemann den sogenannten Stufenplan, heute Gleichstellungsplan genannt, ein. Der soll dafür sorgen, dass in Fachbereichen, in denen mehrheitlich Männer arbeiten, bei der Stellenvergabe Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt zu berücksichtigen sind. Und spätestens seit der Einführung des Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetzes 1994 saß Kornemann bei allen Personalgesprächen mit am Tisch.

Vieles selbstverständlich

„Auf alle diese Grundlagen kann ich in der täglichen Arbeit aufbauen“, sagt Dorothea Debbeler. „Vieles ist selbstverständlich geworden. Kornemann, die 2001 in den Ruhestand wechselte, war damals die einzige Amtsleiterin im Kreishaus. Heute gebe es vier Amtsleiterinnen und neun Stellvertreterinnen; mit Eva-Maria Langfermann sogar eine Baudezernentin. Auch die Gesprächskultur sei eine andere geworden.

Der Weg zu einer vollen Gleichberechtigung sei aber noch lang: „Viele Frauen meinen, sie benötigten keine spezifische Förderung“, ärgert sich Kornemann. Nach wie vor gebe es aber einen Unterschied zwischen „gefühlter Gleichberechtigung“ und den „strukturellen Rahmenbedingungen“, ergänzt Debbeler. Um diese zu verbessern, sei ein gesamtgesellschaftlicher Kraftakt erforderlich – etwa mit der Schaffung von Krippenplätzen, damit Frauen nach der Familienphase wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können, oder der Bekämpfung von Altersarmut.

  • 1987 Kreistag beschließt die Einstellung einer Frauenbeauftragten.
  • 1988 Amtsantritt von Hildegard Kornemann als erste Frauenbeauftragte     
  • 1989 Notruf-Telefon für Frauen und Mädchen
  • 1995 Erweiterung des Notruf-Telefons um ein Kinder- und Jugendtelefon
  • 1991 Einrichtung einer Frauenschutzwohnung; 2 Jahre später eines Frauenhauses
  • 1993 Einrichtung eines Kreisfrauenforums
  • 1998 Gründung der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft/ExistenzgründungsAgentur für Frauen (EFA)
  • 2001 Gründung des Arbeitskreises „Häusliche Gewalt“
  • 2005 Einführung der Telearbeit,
  • ab 2011 Erweiterung der Gleichstellungsarbeit für Frauen, Kinder und Mädchen mit Migrationshintergrund . . .

 


Altersarmut ist weiblich!

Alljährlich am 08. März findet der Weltfrauentag statt. Verschiedene Veranstaltungen weisen an diesem Tag auf die Notwendigkeit hin, den Weg der Gleichberechtigung von Frauen und Männern konsequent weiter zu gehen. Denn der Weg ist noch lang!

Als Gleichstellungsbeauftragte beim Landkreis Oldenburg ist es mir auch an diesem Tag besonders wichtig, auf das Thema "Lebensläufe und Altersvorsorge" hinzuweisen.

Familienzeiten, Minijobs und Teilzeitarbeit verursachen im beruflichen Lebenslauf der betroffenen Frauen oft große Lücken bei der Finanzierung ihrer Altersvorsorge. Das rächt sich dann im Alter. Altersarmut ist in der Regel weiblich!
Gerade in jüngeren Jahren ist es deshalb wichtig, sich Gedanken über die Versorgung im Alter zu machen und sich entsprechend zu informieren. Sind Frauen verheiratet, gehen sie davon aus, dass sie über ihren Ehemann ausreichend versorgt sein werden und sich keine Gedanken machen müssen. Alleinerziehende haben oftmals kein Geld, das sie für eine private Altersvorsorge vom täglichen Lebensunterhalt "abzweigen" können.
Doch damit das Alter für sie nicht zur Armutsfalle wird, sollten sie sich informieren! Die Deutsche Rentenversicherung Oldenburg-Bremen u. a. kann hierzu Auskunft geben: Telefon: 0441-9270.
 

Zuständiges Amt

Gleichstellungsbeauftragte
Landkreis Oldenburg
Delmenhorster Str. 6
27793 Wildeshausen

Ihre Ansprechpartnerin / Ihr Ansprechpartner
Frau Debbeler
Telefon: 04431-85 620
Kontakt über E-Mail