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Brookbäke

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Modellhafte Revitalisierung eines Tieflandbaches am Beispiel der Kimmer Brookbäke, Hasbruch unter Einbeziehung der Reinigung der Abwässer der A 28

Die Brookbäke in der Gemeinde Ganderkesee, Landkreis Oldenburg ist in der Vergangenheit durch Ausbaumaßnahmen stark beeinträchtigt worden. Im Oberlauf ist das Gewässer vollständig begradigt, stark eingetieft und auf langer Strecke durchgehend mit Betonhalbschalen an der Sohle gesichert. Demgegenüber sind innerhalb des FFH- und Naturschutzgebiet „Hasbruch“ noch zahlreiche naturnahe Strukturen vorhanden, obwohl auch hier durch Laufverkürzungen das Gewässer in einigen Abschnitten erheblich beeinträchtigt wurde.Foto begradigte Brookbäke

Um die vorhandenen Strukturen zu verbessern und die stark ausgebauten, naturfernen Abschnitte zu revitalisieren, sind von der Umweltstiftung des Landkreis Oldenburg umfangreiche Maßnahmen an der Brookbäke geplant. Die Gestaltung der Profilgeometrie soll hierbei vorrangig durch die Nutzung eigendynamischer Kräfte des fließenden Wassers erfolgen.

Im Hasbruch nördliche der Jagdhütte sollen die schon vorhandenen Ansätze zur Restrukturierung des Gewässers durch den moderaten Einsatz von Totholz als Strömungslenker verstärkt werden.Foto Naturnahe Strukturen im Hasbruch

Bei der geplanten Neuanlage des Gewässers im südlichen Teil des Hasbruch und in den Habbrügger Wiesen (Abschnitte 1 und 2) erfolgt nach der Vorprofilierung einer verlängerten und mäandrierenden Rinne die Ausgestaltung der gewässertypischen Profilgeometrie durch die Eigendynamik der umgeleiteten Brookbäke, deren heutiger, begradigter Verlauf durch einen Damm abgesperrt wird. Der vorprofilierte neue Verlauf wird sich durch rückschreitende Erosion eintiefen, im Boden vorhandene Grobsubstrate (Steine, Kies) in der Sohle ansammeln und so eine neues, strukturreiches Bett mit tieferen Kolken und flachen, schneller überströmten Bereichen entwickeln. Fehler in der Planung und Ausführung, die oftmals zu überdimensionierten, naturraumuntypischen „Renaturierungsmaßnahmen“ geführt haben, können somit vermieden werden.

Im südlichen Abschnitt der Habbrügger Wiesen und in einem 170 m langen Abschnitt südlich der Autobahn (Abschnitt 3) wird in einer hydraulischen Pufferzone die durch die Laufverlängerung hervorgerufene Wasserstandsanhebung kompensiert, um den Einfluss auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen südlich der Autobahn A 28 zu vermeiden. Durch eine einseitige Aufweitung des heutigen Verlaufs und die Beseitigung des Rohrdurchlasses in den Habbrügger Wiesen können die Wasserstände bei Hochwasser leicht abgesenkt werden und gleichzeitig durch eine naturnahe Gestaltung der Sohle und flache, häufiger überströmte Bermen wesentliche bachbegleitende Kleinlebensräume geschaffen werden.

Die Laufverlängerung und gleichzeitige Anhebung der Gewässersohle und Wasserspiegellage verbessert die hydraulisch-morphologische Gesamtsituation der Brookbäke. Die Anhebung der Wasserstände und damit der Grundwasserstände sowie eine höhere Überflutungshäufigkeit sind Vorraussetzung für einen naturnahen Landschaftswasserhaushalt im Hasbruch und den Habbrügger Wiesen.

Durch den hydraulischen Pufferbereich kann die Auswirkung der Maßnahmen räumlich begrenzt werden, so dass ein Kompromiss zwischen gesteigerter Naturnähe und landwirtschaftlicher Nutzung erreichbar ist. So sind direkt an der A 28 leichte Wasserstandsänderungen bei mittleren Abflüssen von ca. 45 cm zu verzeichnen, während die Hochwasserstände um 5-10 cm abgesenkt werden können. Ab der weiter südlich gelegenen Überfahrt ist keine Anhebung der Wasserstände mehr vorhanden.

Insgesamt trägt die Renaturierung zu einem höheren Rückhalt des Niederschlagswassers im Einzugsgebiet bei, wodurch eine Verlangsamung der Hochwasserwellen und eine Reduzierung der Hochwasserspitzen bewirkt werden. Die Maßnahmen erhöhen ferner durch die deutliche Verbesserung der Strukturgüte das Selbstreinigungsvermögen des Gewässers und somit die Gewässergüte.

Dieselbe Wirkung wird durch die Rückhaltung und Reinigung der bisher direkt in die Brookbäke eingeleiteten Abwässer der BAB A 28 erreicht. Durch die geplanten Maßnahmen wird die stoffliche Belastung des Gewässers reduziert, eine Vorsorge gegen Kontaminationen bei Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen getroffen und eine Dämpfung der von den versiegelten Flächen eingeleiteten Abflussspitzen erreicht.

Durch die Revitalisierungsmaßnahmen an der Brookbäke in Verbindung mit der Reinigung und Rückhaltung der Autobahn-Oberflächenabwässer ergibt sich eine Verbesserung der Situation nicht nur für das Gewässer selber, sondern auch für die gewässernahen, schützenswerten Waldbereiche im Naturschutzgebiet Hasbruch.