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Bekämpfung der BVD / MD

Foto Rind BVD / MD
Das deutschlandweite Bekämpfungsverfahren gegen die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) hat begonnen!

Zum 01. Januar 2011 trat die „Verordnung zum Schutz der Rinder vor einer Infektion mit dem Bovinen Virusdiarrhoe-Virus“ (BVDV-Verordnung) vom 11. Dezember 2008 (BGBI. I S. 2461) in Kraft. Mit dieser Verordnung wurde seit dem 01. Januar 2011 die Untersuchung auf das BVD-Virus (BVDV) und seine Bekämpfung für alle Rinder haltenden Betriebe in Deutschland Pflicht.

Der Auftrag zur Lieferung der Ohrstanzmarken durch die Fa. Caisley läuft derweil problemlos. Rinder haltende Betriebe mit Geburten sind verpflichtet, die Ohrstanzmarken zu verwenden. Betriebe, die die Ohrmarken noch nicht bestellt haben, müssen die bei der VIT vornehmen. Nähere Informationen dazu erhalten Sie bei der VIT Verden.

 

BVD - in der Rinderhaltung ein vielfach unterschätztes wirtschaftliches Problem!

Die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) ist wirtschaftlich eine der bedeutendsten Tierseuchen weltweit. Der effektive Verlust für den Tierhalter hängt dabei von verschiedensten Faktoren ab, wie etwa der Herdenzusammensetzung, dem Anteil empfänglicher Tiere in den einzelnen Altersgruppen oder auch dem Infektionsrisiko. Die Schwierigkeiten beim Abschätzen der entstehenden Kosten bestehen in der Tatsache, dass ein großer Teil der entstehenden Schäden gar nicht mit dem Virus in Verbindung gebracht wird.

Konkret entsteht dem Rinderhalter finanzieller Schaden durch Aborte, Kümmerer, Missbildungen, Tierverluste, verminderte Milchleistung, Diarrhoe bei Jungtieren etc.

Wichtigster Faktor bei der Infektion mit dem BVDV, und zum Verständnis der Erkrankung unerlässlich, ist der Infektionszeitpunkt im Leben eines Rindes:
 
1. Infektion während der Trächtigkeit:

Die Infektion eines ungeschützten tragenden Tieres stellt das zentrale Problem in diesem Erkrankungskomplex dar, da die Infektion auch auf die Frucht übergreift. Embryonen bzw. Feten, die in den ersten 120 Tagen der Trächtigkeit - also vor Ausbildung des fetalen Immunsystems - infiziert werden, werden resorbiert bzw. abortiert oder bilden eine spezifische Immuntoleranz aus und werden zu Dauerausscheidern (sog. PI-Tiere). Diese können kümmern, sind aber häufig (bis zu 50%) klinisch unauffällig.

Solche Schäden sind vermeidbar!

 

Foto: Liess 

Zwei BVDV-Dauerausscheider gleichen Alters 
(links: Kümmerer, rechts: symptomlos)

   
Mucosal Disease (MD):
Die immer tödlich endende Erkrankung Mucosal Disease (MD) tritt nur bei Dauerausscheidern auf, wobei nicht alle Dauerausscheider zwangsläufig daran erkranken. Betroffene Tiere zeigen Schädigungen an der Haut im Zwischenklauenspalt und am Kronsaum sowie an den Schleimhäuten des Verdauungsapparates und haben unstillbare, z. T. blutige Durchfälle. Meistens kommt die MD bei jungen Tieren bis zu 2 Jahren vor, kann aber auch vereinzelt später auftreten. Eine Behandlung ist nicht möglich.

2. Infektion eines Tieres nach der Geburt:

Wie bei jeder Infektion setzt sich das Immunsystem mit dem eingedrungenen BVDV auseinander und bildet Antikörper. Zurück bleibt eine lang andauernde, belastbare Immunität. Die Infektion selber verläuft meist ohne sichtbare Anzeichen. Unter ungünstigen Bedingungen kann es bei Jungtieren aber auch manchmal zu Atemwegserkrankungen und Durchfällen, bis hin zu schweren Verlaufsformen mit hohen Sterblichkeitsraten kommen.

Sehr gute weitere Informationen zum Verständnis der Erkrankung speziell für Landwirte und Tierärzte erhalten Sie auf der BVD-Info-Seite des Instituts für Veterinär-Virologie der Universität Bern.

Welche Vorgaben macht die BVDV-Bundesverordnung?

Gemäß BVDV-Bundesverordnung müssen:

  • alle seit dem 01. Januar 2011 geborenen Kälber bis zum sechsten Lebensmonat,
  • alle Rinder, die aus oder in den Bestand verbracht werden sollen (auch die männlichen, es sei denn sie gehen direkt zur Schlachtung),
  • Tiere mit klinischen Anzeichen der Mucosal Disease oder
  • Tiere mit einem positiven Erregernachweis (Blutprobe nach dem 61. Lebenstag) frühestens nach 21 Tagen und spätestens nach 60 Tagen ein zweites Mal

auf das BVDV untersucht werden.

Das langfristige Ziel der BVDV-Bundesverordnung ist die Erreichung von stabilen BVDV-unverdächtigen Beständen, d. h. nachweislich frei von BVD-Virus und somit frei von Dauerausscheidern (PI-Tieren).

  • Ein Rind mit einem negativen Untersuchungsergebnis auf BVDV erhält lebenslang den Status BVDV-unverdächtiges Rind.
  • Eine Kuh mit mindestens 1 nachgeborenen Kalb mit negativem Untersuchungsergebnis auf BVDV erhält automatisch den Status BVDV-unverdächtiges Rind.

Nur BVDV-unverdächtige Rinder können seit dem 01.01.2011 in einen oder aus einem Bestand verbracht werden. Das gleiche gilt für das Verbringen von Rindern auf Viehmärkte, Viehauktionen, Viehsammelstellen und Gemeinschaftsweiden. Ausnahmen von der Untersuchungspflicht sind möglich, jedoch gelten diese hauptsächlich für den internationalen Handel. Der bundesweite Handel von Rindern ohne BVDV-Status ist seit dem 01.01.2011 ist praktisch nicht mehr möglich.

Was hat es mit den Ohrstanzmarken auf sich?

Da eine Blutuntersuchung der nachgeborenen Rinder erst ab dem 62. Lebenstag ein belastbares Ergebnis ergibt, wurden die bisherigen Ohrmarken durch neue sogenannte Ohrstanzmarken ersetzt, mit denen gleichzeitig mit der Kennzeichnung der Tiere (nach VVVO) durch den Landwirt eine sogenannte Ohrstanzprobe aufgefangen wird. Diese wird vom Landwirt mit dem anliegenden vorausgefüllten Untersuchungsauftrag im mitgelieferten vorfrankierten Verpackungsmaterial zum Untersuchungsinstitut geschickt und dort auf BVD-Virus untersucht. Die Befunde werden umgehend in die HIT-Datenbank überführt, wobei die Muttertiere der negativ auf BVDV untersuchten Kälber automatisch ebenfalls den Status BVDV-unverdächtig erhalten.

Für alle Tiere, für die innerhalb der ersten drei Lebenstage die Einsendung der Probenröhrchen erfolgt und dadurch rechtzeitig ein negativer BVDV-Befund in der HIT-Datenbank vorliegt, erteilt VIT Verden auf dem Rinderstammblatt den Status BVDV-unverdächtig per Aufdruck.

Welche Maßnahmen unterstützt die Nds. Tierseuchenkasse durch die Gewährung von Beihilfen?

Die Nds. Tierseuchenkasse übernimmt (unter bestimmten Voraussetzungen) noch die Kosten für:

  • die Untersuchung von Blut- und Ohrstanzproben im Untersuchungsinstitut,
  • die Ohrstanzohrmarken (2 pro Tier) zur Kennzeichnung und kontinuierlichen Untersuchung der nachgeborenen Rinder im Bestand,
  • das sog. Servicepaket (Ohrmarkenzange, Rückpaket für die Proben etc.), mit dem die Ohrstanzproben zurück ins Untersuchungsinstitut geschickt werden,
  • eine pauschale Beihilfe i.H.v. 150,00 € pro Tier für Kälber mit nur einem BVD-Virus positiven Untersuchungsbefund, die bis zum 28. Lebenstag gemerzt werden oder verendet sind
  • eine pauschale Beihilfe i.H.v. 150,00 € pro Tierfür direkte Nachkommen von PI-Tieren, wenn für das Muttertier zwei auf BVD-Virus positive Untersuchungsbefunde im Abstand von mindesten 21 und höchstens 60 Tagen vorliegen und die Tiere (Mutter und Nachkomme) innerhalb von 7 Tagen nach Mitteilung des zweiten positiven Ergebnisses gemerzt wurden oder verendet sind,
  • Beihilfen für die Euthanasie von Tieren, für die eine pauschale Beihilfe gewährt wird (nur mit Abtretungserklärung an den Tierarzt) 
  • sowie für Impfstoffe

Was passiert bei einem positiven Untersuchungsbefund auf BVDV?

Bei einem positiven BVD-Virusbefund in der Ohrstanzprobe ist es für die Gewährung ist es für die Gewährung einer Beihilfe wichtig, dass das betreffende Tier bis zum einschließlich 28. Lebenstag gemerzt wird. Die Tierseuchenkasse fordert in diesem Fall für die Gewährung der pauschalen Beihilfe i.H.v. 150,00 € pro Tier keine Wiederholungsuntersuchung.

Tiere mit einem positiven BVD-Virusbefund über die Blutprobe sind nach frühestens 21 bis spätestens 60 Tagen wiederholt mittels Blutprobe zu untersuchen. 

Dauerausscheider sind unverzüglich (innerhalb von 7 Tagen) aus dem Bestand zu merzen!

Werden im Bestand Dauerausscheider gefunden, empfiehlt sich eine Impfung der weiblichen Nachzuchttiere im zweistufigen Impfverfahren vor dem Belegen. Die Impfung ist Pflicht, sobald eine Beihilfe beantragt werden soll.

Wie wird Ihr gesamter Rinderbestand BVDV-unverdächtig?

Zur Erreichung des Status der BVDV-Unverdächtigkeit für den gesamten Rinderbestand gliedert sich die Bekämpfung gemäß der BVDV-Bundesverordnung in zwei Schritte.

1. Schritt: Gesamtbestandsuntersuchung

Alle Rinder des Bestandes müssen einmalig mittels Ohrstanzproben (innerhalb der 1. Lebenswoche) oder Blutproben (ab dem 62. Lebenstag) auf das BVDV untersucht werden. Eine Ausnahme davon gilt bei Muttertieren, wenn ihre Kälber bis zum sechsten Lebensmonat mit negativem Untersuchungsergebnis auf BVDV untersucht wurden. Diese Muttertiere erhalten automatisch den Status eines BVDV-unverdächtigen Rindes. Untersuchungsergebnisse aus dem bisherigen Niedersächsischen Sanierungsverfahren werden anerkannt. Bisher geimpfte Tiere ohne Untersuchungsergebnis müssen untersucht werden (Bedenke! tragende Kühe können über ihre Nachzucht untersucht werden).

2. Schritt: Beobachtungszeitraum von 12 Monaten

Nach Entfernung aller Dauerausscheider und dem Vorliegen der negativen Untersuchungsergebnisse für alle Rinder des Bestandes folgt ein Beobachtungszeitraum von 12 Monaten mit folgenden Maßnahmen:

  • alle in dem Rinderbestand geborenen Kälber müssen bis zum sechsten Lebensmonat negativ auf das BVD-Virus untersucht worden sein,
  • alle Rinder müssen frei von klinischen Erscheinungen sein,
  • es dürfen nur BVDV-unverdächtige Rinder in den Bestand eingestellt werden,
  • die Rinder dürfen keinen Kontakt haben zu BVDV-infizierten Rindern oder zu Rindern mit unbekanntem Status und 
  • die Besamung/Bedeckung darf nur durch BVDV-unverdächtige Bullen erfolgen.

Sind alle diese Voraussetzungen erfüllt, erhält der Rinder haltende Betrieb auf Anforderung eine amtstierärztliche Bescheinigung über den Status der BVDV-Unverdächtigkeit.